MEINE ERFAHRUNGEN IM EL PILAR PROGRAMM

Seit zwei Jahren bin ich Studentin der Ur-und Frühgeschichte und Altamerikanistik an zwei Berliner Universitäten, der Humboldt-Universität und der Freien Universität. Während dieser beiden Jahre, dem Grundstudium, studierte ich die Archäologie im Hörsaal. Ich nutzte auch die Möglichkeit, als zeitweise Grabungshilfe an verschiedenen archäologischen Projekten innerhalb Brandenburgs teilzunehmen. Mit der Vorstellung von mir, einer auf einem amerikanischen Kontinent tätigen Archäologin, erkannte ich jedoch, wie wichtig es ist, einmal im englischsprachigen Ausland studiert und gearbeitet zu haben, und sich auch einmal einem längerfristigen Projekt anzuschließen. Ich war überzeugt davon, daß dies nicht nur meinen Horizont erweitern und mich in die englischsprachige Welt der Wissenschaft einführen würde, sondern mich dazu befähigen könnte, endlich auch theoretisches Wissen anzuwenden. Dazu wollte ich die archäologischen Feldmethoden von Anfang bis Ende verfolgen. Da mein besonderes Interesse der Archäologie der amerikanischen Kontinente gilt, war ich sehr froh, das archäologische Projekt El Pilar im Internet gefunden zu haben. Dieses Projekt erschien mir sehr vielversprechend, da es zwei für mich interessante Dinge vereinte: das Anwenden archäologischer Feldmethoden und das Arbeiten im mesoamerikanischen Raum.

Durch ein Austauschprogramm zwischen der Humboldt-Universität zu Berlin in Deutschland und der University of California in den USA hatte ich die Möglichkeit, für ein Jahr in Santa Barbara zu studieren. Dort belegte ich Kurse in Geschichte, Ethnologie und Archäologie und arbeitete vor allem von Anfang an mit Dr. Anabel Ford und dem El Pilar Projekt.

Schon am Anfang des Jahres schrieb ich mich für ein Praktikum ein, wodurch ich die Organisation im Büro des El Pilar Projektes auf dem UCSB Campus kennenlernte. Ich arbeitete an verschiedenen Datensätzen, wie die Sammlung von wissenschaftlichen Beiträgen und Pressemitteilungen, Fotoarchive und Grabungsberichte vorangegangener Grabungskampagnen. Das alles gab mir ein Grundverständnis darüber, wie das archäologische Büro und Laboratorium funktioniert und wie eine Basis organisiert ist, in der alle Fäden eines solchen Projektes zusammenlaufen. Mir war aber auch bekannt, daß das UCSB Büro ein Ort war, an dem Datensätze und Informationen nur begrenzt aufbewahrt und ausgewertet wurden. Das eigentliche Sammeln von Daten fand jedoch im Feld, in der Maya Stätte El Pilar selbst, statt. Dort wollte ich hin, um die Erfahrung auf der archäologischen Grabung selbst zu machen.

Nachdem ich als eine Teilnehmerin der Grabungssaison 1999 angenommen wurde, war es Zeit, mich auf drei Monate Leben und Arbeit in tropischem Klima vorzubereiten. Als Studentin der Archäologie wollte ich nicht nur an der archäologischen Ausgrabung mitarbeiten, sondern auch im Feldlabor Artefakte bearbeiten, was meinen Beitrag für das Projekt darstellte.

Je mehr ich über das Projekt kennenlernte, desto klarer wurde mir, wieviel mehr es beinhaltete, als nur Archäologie.

Auf der Ausgrabung lernte ich die BRASS/El Pilar Crew gut kennen. Ich fand aber bald heraus, daß nicht nur Archäologen im Projekt beschäftigt waren, sondern auch Nicht-Archäologen ihre verschiedensten Kenntnissen und Fähigkeiten dem Projekt, für eine kurze oder längere Zeit, beisteuerten. Mit dazu gehörten zum Beispiel Studenten der amerikanischen Anthropologie, der Biologie/Zoologie und der Soziologie, wie auch eine Agrarwissenschaftlerin, eine Spezialistin in prähistorischer Steinwerkzeug-Herstellung, eine Vermesserin, eine Künstlerin, ein Architekt, Informatiker und mehr. All diese verschiedenen Aspekte des Projektes waren so vielgestaltig, wie die Persönlichkeiten der Menschen, die miteinander lebten und arbeiteten. Gerade das machte es besonders wichtig, als ein Team zu arbeiteten, wobei jeder Kompromisse eingehen mußte und wo oftmals Geduld herausgefordert wurde. So ein Team bietet aber auch die Möglichkeit, voneinander zu lernen und dies empfand ich als großen Vorteil während meiner dreimonatigen Feldarbeit im Rahmen des einjährigen Austauschprogrammes.

Das El Pilar Projekt begann als ein rein archäologisches Projekt vor 8 Jahren und ist seitdem so gewachsen, daß nun viel mehr Aspekte neben der Archäologie auch wichtige Rollen spielen. Da das Projekt permanent im Wachsen begriffen ist, wird man herausgefordert, sich detailliertere und spezielle Informationen von einem allgemeinen Bild heranzuholen.

Nach 9 Monaten, in denen ich mit dem El Pilar Projekt und besonders in seinem archäologischen Bereich gearbeitet habe, bin ich nun an dem Punkt, wo ich allmählich einen guten Überblick gewinne und die einzelnen Aspekte besser auseinanderhalten kann, obschon ich immer noch versuche, die Komplexität zu verstehen. Für jemanden, der neu im Projekt ist, ist es anfangs schwer, sich einzubringen. Der erste und wichtigste Schritt für mich als Archäologie-Studentin war erstmal, mit den Grabungs- und Labormethoden des Projektes vertraut zu werden und sie mir anzueignen. Wenn ich nun zurückblicke, weiß ich, daß dies sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Schließlich mußte ich auf den Sinn des Sammelns von archäologischem Material und die Verbindungen zwischen eigentlicher Grabung und der Fundbearbeitung im Labor aufmerksam werden. Auch wie Details letztendlich in ein großes, zusammenhängendes Bild passen, mußte ich begreifen. Als besonders schwierig empfand ich, mit Lücken in der archäologischen Dokumentation umzugehen, die in früheren Grabungskampagnen entstanden sind, da einfach jedes Jahr seine eigenen Teilnehmer, Projekte und Vorhaben hat.

El Pilar als ein wichtiges Zentrum der alten Maya wurde im Zeitraum von ca. 500 v.Chr. bis 1000 n.Chr. erbaut. Aus dieser Zeit sind uns Tempel, sog. plazas (Plätze), Paläste und Wohngebiete erhalten. Natürlich hatte der Djungel die gesamte Stätte über Jahrhunderte hinweg unter sich begraben, bevor archäologische Untersuchungen und Kartierungen begannen. Deshalb wurden Teile des Waldes vorsichtig gelichtet. Dadurch war man in der Lage, zum Vorschein tretende Gebäude und Strukturen zu vermessen und besser in ein Gesamtbild einzupassen. Die meisten der Bäume blieben aber unberührt, was El Pilar nicht nur zu einem kulturgeschichtlichen Denkmal, sondern auch zu einem Natur-Reservat macht.

Da nur sehr wenige Teile des Maya-Zentrums wissenschaftlich ausgegraben und damit freigelegt wurden, ist das, was man heute erblicken kann, eine Ansammlung von Erdhügeln bedeckt mit Schutt, Erde und Vegetation.

Die Absicht der archäologischen Untersuchungen in El Pilar ist nun nicht, jeden dieser Erdhügel zu ergraben, jeden Tempel freizulegen und möglichst viele wertvolle Gegenstände zu finden. Die Ziele der Archäologie hier sind in erster Linie, mehr über die Zeiträume der Nutzung und über verschiedene Bauphasen zu lernen, indem man nach Kulturschichten, Wänden, Treppen und Fußböden sucht. Mit diesen Informationen und Kenntnissen in Architektur, kann ein Bild zusammengestellt werden, das eine Grundlage bildet, auf der ein Gebäude oder Teile davon gefestigt und erhalten werden können, wenn sie einmal freigelegt worden sind. Indem man architektonisch interessante Strukturen einfach freilegt und sie dann der Sonneneinstrahlung und dem Regen ausgesetzt läßt, trägt man zur allmählichen Zerstörung des Denkmals bei und dies kann nicht das Ziel archäologischer Aktivitäten sein. Daher ist man in El Pilar bemüht, nur ausgewählte Strukturen, wie zum Beispiel ein Wohngebiet, zu ergraben oder gezielte Suchschnitte anzulegen, wonach das Grabungsgebiet entweder wieder so verlassen wird, wie es vorgefunden wurde oder eine intakte Baustruktur gefestigt und somit geschützt wird. In einigen Fällen ist eine Struktur nach der Ausgrabung teilweise wieder mit Erde bedeckt worden und teilweise offen gelassen und gefestigt worden. Damit folgte man dem Motto des Projekts: "Konsolidierung endet dort, wo die Vorstellung beginnt."

Ich selbst hatte die Möglichkeit, dem Prozeß des Sammelns archäologischer Daten zu folgen, während ich an der Ausgrabung eines Wohngebietes namens Tzunu'un (Maya für Kolibri) mithalf. Dieses Ensemble von insgesamt fünf Strukturen, einem Tempel, einem Palast-Gebäude und Gebäuden, die zu Lager- und Kochzwecken genutzt wurden, wurde im Vorjahr schon teilweise ausgegraben und auch konsolidiert. Das Ziel der diesjährigen Grabungskampagne war, die Ausgrabungen und Konsolidierungsarbeiten zu beenden und ein Beispiel zu schaffen, welches zeigen soll, wie ein Maya-Haushalt höheren Ranges lebte und Lebensraum nutzte.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein Vermessungsnetz auf die Grabungsfläche projiziert, das diese in 2 m x 2m Einheiten einteilt. Die Grabung konzentrierte sich auf und um den Tempel und das Palast-Gebäude und legte Fußböden, Wände und Treppen frei, die uns helfen, mehr über Architektur und Konstruktion zu verstehen. Artefakte, wie Keramik, Steinwerkzeuge und kleinere Mengen verschiedensten Materials, wie Muscheln und Knochen, wurden eingesammelt, um sie im Feldlabor zu analysieren. Dort werden die Funde katalogisiert und Stil, Alter, Bedeutung und Verbreitung der Artefakte definiert. Da das El Pilar Projekt auf Siedlungsarchäologie focusiert, suchen Archäologen gezielt nach architektonischen Elementen und Bauphasen. Daher sind datierbare Artefakte besonders bedeutsam, denn diese können uns Aufschluß über die Geschichte einer bestimmten Baukonstruktion geben.

Um Artefakte klassifizieren zu können, werden diese gewaschen, inventarisiert und grob in Kategorien eingeteilt. Keramikfragmente werden Rändern, Böden, unidentifizierbaren Mittelscherben und anderen Untergruppen zugeordnet während bei Steinartefakten die Art des Gesteins, wie Feuerstein oder Obsidian, und seine Form, wie Abschlag, Klinge oder Kernstück, unterschieden werden. Nachdem die Artefakte sortiert wurden, werden sie gewogen, gezählt, numeriert, verpackt und ihre Daten zur späteren Analyse in ein Computerprogramm eingegeben. Durch diese Analyse kann man zum Beispiel Aussagen über die Konzentration eines bestimmten Artefakttyps, die damit in Verbindung zu bringenden Aktivitäten und auch die Raumnutzung im damaligen Lebensraum treffen. Weitere Analysen dokumentieren charakteristische dekorative Elemente wichtiger Zeitperioden der Maya-Zivilisation.

Während der Ausgrabung werden detaillierte Mitschriften geführt und nach Beendigung einer Schicht Fotos gemacht. Dadurch werden die verschiedenen Schichten, auf die die Ausgräber stoßen, genau dokumentiert und wichtige Fakten, wie Tiefe der Grabung, benutzte Werkzeuge, Hypothesen und Interpretationen sowie Wetterbedingungen und Teilnehmer festgehalten und nachvollziehbar gemacht. Ebenso müssen zum Beispiel Farbe und Zusammensetzung der Erde oder des Sandes, Steinansammlungen und andere Veränderungen und Beobachtungen so genau wie möglich dokumentiert werden, um zukünftigen Generationen und Nicht-Teilnehmern zu zeigen, was getan und gefunden wurde. Mit dieser Grundlage ist es später möglich, allgemeinere Interpretationen und Rekonstruktionen zu wagen.

Doch nicht nur die Archäologie kann uns helfen zu verstehen, wie Menschen früher lebten. Indem Archäologie von anderen Nachbarwissenschaften isoliert betrachtet wird, wird auch unsere Fähigkeit, ein vollständiges Bild zu rekonstruieren, begrenzt. Ich erkannte, daß es sehr viel mehr gibt, was dazu gehört und was unbedingt in die Betrachtung mit einbezogen werden muß.

Die alten Maya siedelten in einer Umwelt, deren Pflanzen und Tiere als natürliche Ressourcen sie befähigten, Zentren wie El Pilar zu bauen. Die meisten der Pflanzen, die sie züchteten, verarbeiteten und mit denen sie handelten, kann man auch heute noch finden. Auch die heute typischen Tierarten hielten sich damals schon in dieser Umwelt auf. Indem man Flora und Fauna der heutigen Umgebung studiert, kann man sehr viel über die damalige Umwelt lernen. Das gleiche trifft zu für Konstruktionstechniken und -planung, Verwandtschaftsverhältnisse und die Maya-Sprachen. Wenn wir uns anschauen, wie ein modernes Dorf physisch strukturiert ist und wie dies in Beziehung steht zur sozialen Organisation, können wir Vermutungen über historische Parallelen anstellen. Auch von heutigen Hausbautechniken können wir lernen, wie damals aus natürlichem Material gebaut worden ist. Die lokale Maya-Sprache, die immer noch einige Menschen sprechen, ist vor allem im Bereich der Botanik eine wichtige Quelle, um Namen, Bedeutung und Nutzung von Pflanzen, die in Vergessenheit geraten, wiederzubeleben.

Durch diese komplexen Beziehungen zwischen Umwelt und Kultur erkannte ich, in wie viele verschiedene Bereiche man schauen kann, um das Bild der alten Maya zu rekonstruieren und wie wichtig alle verschiedenen Aspekte des El Pilar Projektes sind, deren Berührungspunkte eine Schlüsselrolle spielen.

Natur und Umwelt des heutigen Maya Tieflandes, wie auch dessen landwirtschaftliche Bearbeitung durch seine Bewohner, weichen oftmals nicht allzu stark vom früheren Umgang mit der Natur ab, was Eindrücke darüber vermitteln kann, wie die alten Maya in ihrer Umwelt gelebt haben. Wenn wir über die Vielfalt von Pflanzen und Tieren im Regenwald bescheid wissen, ist es auch nicht so schwer sich auszumalen, wie die verschiedenen Arten von den Maya genutzt worden sein müssen. Ihre Überlebensstrategien in einer natürlichen Umwelt, die nicht so leicht zugänglich war und in der auch heute noch Gefahren lauern, verlangte eine durchorganisierte Arbeitsteilung. Es ist bemerkenswert, daß die Einwohnerdichte im Maya Tiefland in der Vergangenheit viel höher war, als sie heute ist, was uns zeigt, wie effizient Landwirtschaft betrieben worden sein muß.

Heute jedoch resultieren viele landwirtschaftliche Methoden in Zerstörung von Land und natürlichem Lebensraum, weil das Wissen über die richtige Behandlung der Umwelt über die Jahrhunderte hinweg verloren gegangen ist. Ein weiteres Ziel des El Pilar Projektes ist es deshalb, traditionelle Anbaumethoden zu revitalisieren. Dies geschieht, indem man sich mit ökologischen Fragen auseinandersetzt und Bewohner der nahen Dorfgemeinschaften zur Kooperation ermutigt, denn diese sind wertvolle Quellen, da sie teilweise noch nach traditionellen Methoden Landwirtschaft betreiben.

Ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft der Maya war der Waldgarten. Der Waldgarten Tzunu'un in El Pilar und der Masewal Waldgarten nahe des Dorfes Bullet Tree Falls sind zwei Beispiele von Gärten, wie sie von den Maya kultiviert und genutzt worden sind. Biologen des El Pilar Projektes haben in Kooperation mit Einheimischen Informationen zusammengetragen, mit der diese Art Garten revitalisiert werden konnte. Zusammen haben sie jede einzelne Pflanzenart mit einem Schild versehen, auf dem ihr spanischer, englischer und Maya- Name, sowie ihr Nutzen zu lesen sind. Wenn man heute auf den Pfaden durch den Waldgarten wandert, kann man lernen, wie die Maya ihre Pflanzen nutzten und erkennen, daß durch diese Art von Pflanzenhaltung Arten weniger vom Aussterben bedroht sind. Diese Revitalisation traditioneller Landwirtschafts- und Gartenmethoden bedeutet, von der Vergangenheit zu lernen und eine Basis zu schaffen, auf der heutige und zukünftige Generationen ihre Umwelt nicht mißbrauchen sondern mit und in ihr leben können.

El Pilar wird als ein Denkmal der alten Maya immer besser bekannt. Sowohl Besucher, als auch Presse zeigen ein immer stärker werdendes Interesse an diesem Monument. Dies verlangt nach einem Konzept für Präsentation und Verwaltung des Reservats. Der Park selbst muß leicht zugänglich gemacht und gepflegt werden. Zu diesem Zwecke werden ganzjährig einheimische Parkwächter eingestellt, die auch in der Lage sind, Führungen zu geben, wenn die Nachfrage dazu besteht. Das Projekt beginnt auch enger mit lokalen, landesweiten und internationalen Reiseveranstaltern, Verlagen von Reiseführern und wissenschaftlichen Magazinen zusammenzuarbeiten, um die Vision El Pilar weiter bekannt zu machen. Um zukünftig auf die steigende Anzahl von Touristen reagieren zu können, arbeitet das Projekt zur Zeit an Plänen, das Denkmal attraktiver und annehmbarer für Besucher zu gestalten. Ein Besucherzentrum ist in Planung. Picknick- und Rastplätze wurden schon in einer geschmackvollen Art und Weise gebaut, die sich in das Reservat einpaßt, ohne den Anblick und die Schönheit von Denkmal und Natur zu stören.

Tourismus ist besonders wichtig für die umliegenden Kommunen, die zu erkennen beginnen, daß sie selbst daraus profitieren können. Es ist jedoch ebenso wichtig, den Anwohnern die Grundlagen der Denkmalpflege, die Verwaltung eines Parks wie El Pilar und auch Öffentlichkeitsarbeit begreiflich zu machen. Aus diesen Gründen ist die Zusammenarbeit mit den Einwohnern ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Projektes. Sowohl die Kommunen auf Belizischer als auch auf Guatemaltekischer Seite sind daran beteiligt und werden über das Konzept des El Pilar Projektes unterrichtet. Zusammenkünfte und Arbeitsgemeinschaften wurden in Englischer und Spanischer Sprache in archäologischen Stätten, Kulturzentren und Seminarräumen organisiert. Während der diesjährigen Grabungskampagne organisierte das El Pilar Projekt vier workshops, an denen das BRASS/El Pilar Team und die Gruppe "Amigos de El Pilar" des Dorfes Bullet Tree Falls in Belize teilnahmen. Zusammen besuchten wir nahegelegene Mayastätten, um Näheres über Bereiche, wie Verwaltung, Zugang und Erkundung, Umwelt, Vermarktung und den Zustand der Monumente selbst in Erfahrung zu bringen. Damit verfolgten wir die Absicht, funktionierende Aspekte für El Pilar zu übernehmen oder aus den Fehlern der anderen zu lernen und für El Pilar neue, besser funktionierende Konzepte zu erarbeiten.

Mit diesen Aktivitäten stellt das El Pilar Projekt ein Netzwerk zur Verfügung, daß die Einwohner der umliegenden Dörfer trainiert, so daß diese für Verwaltung, Pflege und Präsentation des Archäologischen Reservats El Pilar Verständnis entwickeln. Das Ziel ist es, der Kommune zu helfen auf eigenen Beinen zu stehen, in Zukunft unabhängiger und autark zu werden.

Während ich selbst mit einigen der Dorfbewohner zusammenarbeitete, lernte ich viele ihrer Ansichten kennen und mochte besonders, wenn sie über ihr Leben in Belize erzählten. Durch den Kontakt zu ihnen ist mir sehr bewußt geworden, was für ein schwerer und langer Prozeß es ist, Wege zu finden, um miteinander kommunizieren zu können, ohne mißverstanden zu werden. Um diese Kommunikation zu erleichtern, arbeitete das Projekt mit einer Studentin der Soziologie zusammen.

 

Dies war mein erster Aufenthalt in Mittelamerika und in den ersten Wochen war ich einfach nur überwältigt von der Landschaft und auch dem Klima in Belize. Später, als ich mehr und mehr dazulernte und mit vielen Einwohnern Bekanntschaft schloß, wurden auch die Lebensweise der Belizer und die Geschichte des Landes besonders interessant für mich.

Während meiner Arbeit mit dem El Pilar Projekt hatte ich nicht nur die Möglichkeit, Erfahrungen auf einer archäologischen Ausgrabung zu machen, sondern wurde mir auch klarer über meine eigenen Ziele und Erwartungen an den Beruf. Beim Arbeiten auf der Grabung lernte ich Aspekte des Denkmalschutzes und der Konservierung kennen und entwickelte ein starkes Interesse daran. Ich erkannte, wie das El Pilar Projekt als ein Modell dient, welches den Schutz von Denkmälern, die Wiederbelebung von für Umwelt und Mensch harmlosen landwirtschaftlichen und gärtnerischen Methoden und das Zusammenbringen von Einheimischen und einer internationalen Zuhörerschaft, die alle von der Vergangenheit lernen können, vereint.

Ich hatte sehr viel Glück, ein solch interdisziplinäres Projekt entdeckt zu haben und eine zeitweilige Teilnehmerin sein zu können.

Franziska Orphal

Juli 1999

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